Freifunk Ideologie

Was ist Freifunk und welche technische Infrastruktur wird erschaffen, um die Ziele zu erreichen? Für die einen ist Freifunk ein kostenloser Zugang zum Internet, für andere soll es eine Infrastruktur sein, die noch läuft, wenn die Zombieapokalypse kommt, wieder andere möchten ein Gegenmodell zum Überwachungsstaat bauen. Der Freifunk Ideologie-Diskurs zeigt eine Dichotomie bzgl. des Freifunk Kernwertes "Dezentralität":

Dezentralisiert/Bottom-Up

vs.

Zentralisiert/Top-Down

Mesh

VPN Supernodes

Individuell

Verein und "Advisory Council"

Eigenverantwortung

FF-Internet-Service-Provider

Open-Source

OPLAN

Aufklärung der Bevölkerung

Kommunal-/Landes-/Bundespolitik

verteiltes Tech-Knowhow

"Gratis Internet" in Cafés & "Bus-Faktor 1"

Workshops

BnetzA-Anmeldung

anarchistisch

Backbone

Anycast DNS

DNS Leak am Gateway

D-DHCP

DHCP

B.A.T.M.A.N. adv

OLSR

Experiment

Autoupdater

Crowdfounding/Privat finanziert

Sponsoren/Staatliche Finanzierung

unzensiert

trafficshaping (Zapp-Script)

OpenWRT

gluon

freie SSID

"One SSID" (Freifunk)

Diese Tabelle erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist relativ unsortiert. to-be-updated...

Neben dem Dezentralismus sind andere Freifunk Werte ähnlichen Diskursen unterworfen.

Macht, Machtzuschreibung und Machtausübung werden sowohl durch zentralistische soziale, als auch durch zentralistische technologische Strukturen begünstigt. Dies ist einer der Gründe, weshalb wir nach dem Prinzip der Dezentralität arbeiten. Auch mit dem ungleich verteilten technischen Fachwissen können Machtfragen verbunden sein.

Memorandum of Understanding (2015)

Zitate von Freifunkern

Freifunk-NG ist ein barrierefreies Produkt für den Massenmarkt, auch wenn es kostenlos bereitgestellt wird. Die flachen Hierarchien wurden ersetzt durch technisch versierte Personen, die sich in Communities und Vereinen zusammengeschlossen haben, um Freifunk Netze jedem Benutzer zugänglich zu machen. Kompromissfrei. Barrierefrei. Einfach. Zentral organisiert gibt es für Interessenten keine Pflicht sich Gedanken um Technik, Freifunk, Störerhaftung, Strafverfolgung, etc machen zu müssen. Entsprechend hat nicht mehr jeder umfassendes Wissen und auch teilweise nur noch einzelne Motive für das Mitmachen. Auch beim Freifunk-NG gibt es Freifunker aus der Classic Zeit, die das gesamte Gedankengut des Freifunk Classic haben und transportieren.

Chris Bischoff (2015)

Was da aufgebaut wird, befriedigt dann wohl eher den Spieltrieb und die feuchten Träume einiger durchgeknallter Nerds, die mal was Großes basteln wollen (ein Netz das die bevorstehende Zomby-Apokalypse überlebt) – Nutzen für die Community kann ich da kaum bis gar nicht erkennen. [...] Alle ausserhalb des Admin-Team werden offenbar für vollkommen unfähig gehalten, und das Wissen über die Einrichtung eines Supernode gilt als Geheimwissenschaft. [...] Wer Freifunk nutzt, will freies Internet, und keine Direktverbindung zu seinem Kumpel in der Nachbarstadt.

Harald Lipphaus (2015)

Gibt es Freifunk ohne Ideologie?

FF-Forum (2015)

#freifunkbefreien | freifunk classic -> freifunk ng

FF-Forum (2015)

Es ist paradox, da die freifunk Idee nicht nur dem Namen nach für 'freies funken' steht, sondern auch konzeptionell niemals für ein reguliertes, zentralisiertes Gratis-Hot-Spot-Netz mit integriertem Vereins- oder ISP-Betrieb stand. Das geht nicht gut zusammen und darüber muss in der freifunk Community dringend geredet werden. [...] freifunk kann per Definition niemals ISP sein. Und auch per default eingeschaltete automatische Updatefunktionen in der Firmware, sowie hinterlegte Keys sind nicht mit der Idee einer freien, selbstbestimmten und dezentralen Netzwerkstruktur vereinbar. Die Hoheit über seinen Knoten liegt bei !UserIn.

Sven 'Knlx' Heinze aka. @kinolux (2015)

Wenn man sich also die Historie in @kinolux’ Blogpost für Leipzig ansieht, stellt man fest, daß schon damals immer wieder Abwägungen getroffen wurden, wie stark man den Aspekt des Dezentralismus nun gewichten will, wenn er Usability oder Wachstum des Netzes im Wege steht. Ich denke, dies ist der richtige Ansatz; Freifunk muß sich anpassen können auf die jeweiligen Herausforderungen. [...] die Idee des Teilens der An­schluß­band­brei­te wird po­si­tiv auf­gefaßt, unter der Vor­aus­setz­ung, daß man eben nicht für Voll­honks, die Un­sinn machen, be­langt werden kann. Was die weiter­gehen­den Mög­lich­keit­en angeht, ist das eher ein Henne-Ei-Problem: ohne in­ter­essan­te eigene Dienste ist der »Gate­way­dienst« ins große Inter­net die Haupt­attrak­tion.

Kai 'wusel' Siering (2015)

Die Mitausrichtung auf Internet an sich ist bereits für den Bundesverein eine fragliche Ausrichtung. Auf dem letzten CCC Kongress war ich auf dem Freifunk Techniktreffen, und da war die Unversöhntheit zwischen der alten Riege, die Gluon ablehnen, und den Pragmatikern und Endanwenderfreunde um Gluon schön zu sehen. [...] In der Firmware haben wir bereits den Umbruch geschafft, da hat die alte Riege schon lange nichts mehr zu sagen. [...] Die Frage ist jetzt nur noch wie lange wir uns noch einen solchen Bundesverein leisten wollen.

Markus 'pRiVi' Schräder (2015)

Ich halte daher im Hinblick auf das Ziel der zukünftigen Dezentralität eine gleiche SSID der Netze für eine massive Beeinträchtigung für die Nutzenden.

Johannes Meyer aka. Jom (2015)

[...] im Rahmen der jüngeren Freifunk Communities [gab es] einen Aufwind an Firmware Initiative [.], die heisst Gluon, wo Netze gebaut werden, die tatsächlich nicht nur sehr zentral sind, sondern wo auch an sehr zentraler Stelle relativ viele Daten für den Betrieb dieses zentralen Dienstes notwendig sind. Konkret [...] auf den VPN Servern, die für so ein Gluon Netzwerk dann den Übergang zum öffentlichen Internet bereit stellen, die Adressierung [DHCP] und die Namensauflösung [DNS] für alle Teilnehmer dieser Netzwolke dann unternommen wird [... was bedeutet, dass] die MAC Adresse - die bei den meisten Leuten eine direkte Korrelation zur Seriennummer des Geräts hat - an diesen Server übertragen wird und zudem auch alle Namensauflösungsanfragen durch einen zentralen Punkt laufen, was hinterher ein genaues Profil rekonstruierbar macht, welche Seriennummer, welches Android Geräts oder welches Laptops hat jetzt welche Dienste aufgerufen. Das ist ein Zustand, der so noch nicht mal bei kommerziellen ISPs in der Größenordnung vorliegt.

Daniel auf der CryptoCon15 (2015) [ab 39:19]

Dieses 'Wir kuscheln mal mit der Wirtschaft, wir kuscheln mal mit dem Senat' – da halte ich nichts von. Dieses Top-down-Modell funktioniert nicht, auch rein technisch nicht. Der Senat versteht unter 'frei' auch nicht Open Source, sondern lizenzierte, private Software.

Sven 'cven' Wagner (2012)

WLANnews Hier beginnt ein endloser Ideologie-Thread über Freifunk-Grundsätze

FF-Mailingliste (2014)

Schaut Euch einfach ein Einkaufsnetz oder ein Fischernetz an. Sehr ihr die Maschen? Jeder Knoten hat mindestens drei Verbindungen zu den anderen Knoten. Hätte er nur zwei, so wäre es nur ein Seil mit vielen Knoten

Elektra Wagenrad (2014)

Der Konflikt [Spaltung der Freifunker Augsburg] hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir als Förderverein Freie Netzwerke e.V. derzeit auch in der Rolle sind, in Streitfällen (wie diesem) darüber entscheiden zu müssen, wer eine http://subdomain.freifunk.net bekommen soll und wer nicht was Freifunk ist und was nicht.

Jürgen Neumann (2014)

Die Farben sind durchaus an die ehem. staatlichen Netzbetreiber angelehnt, denn Grundversorgung ist eigentlich deren Auftrag. Darüber hinaus sind sie extra knallig, positiv und auffallend. Sie sollen aktivieren.

Monic Meisel (2014)

Die Pfeile [im Logo] stehen für die verschiedenen Strömungen innerhalb der Community und die Kommunikation zwischen Ihnen. Aber sie repräsentieren gleichermaßen zwei Funkspots. Die Ringe sind Funkwellen, die sich überlappen, damit sich die Spots verbinden können. Sie stellen aber auch die Schnittmenge der Interessen dar. Ich bin nicht sicher, ob Du weißt, wie viele Dimensionen das Thema freifunk hat, in denen sich verschiedenste Aktivisten tummeln: regional, national, international und politisch, gesellschaftlich, soziologisch, technisch [...] Er repräsentiert für mich in erster Linie Freiheit.

Monic Meisel (2012)

NYC Wireless hat sehr stark gesetzt auf Hotspots. Da war die Idee, dass es in allen New Yorker Parks Gratis Hotspots geben soll [...] das konnte sehr leicht von der Industrie absorbiert werden. Gratis-Hotspots, oder auch Bezahl-Hotspots werden angeboten von T-Online [...] von Cafehaus Ketten usw. [...] Aber [...die andere Idee...] das dezentrale Netzwerk, das hat eigentlich eine wesentlich stärkere Eigendynamik entwickelt. [...] Also es gibt sehr große [Freifunk-]Netze dort, wo Infrastruktur einfach fehlt, entweder, weil es sich um sog. Flüchtlingsländer handelt oder infrastrukturschwache Länder, oder auch, weil es sich um Regionen handelt, in reichen Ländern, wo die Entwicklung in die Richtung gegangen ist, dass sich die Zentralregierungen gesagt haben, dass so bestimmte Landesteile... 'das ist uns einfach egal. Das entwickelt sich nicht und dort geben wir einfach auf, das ist nicht mehr relevant für uns.' Das ist im Neoliberalismus ja auch einfach passiert.

Armin Medosch 'Funkfeuer' (2009) [ab 17:45]

Seit August 2008 gibt es Einschränkungen bei der freien Augsburger Surferei. Bis dahin waren die meisten Nodes so konfiguriert, dass sie automatisch an unbekannte Gäste IP-Adressen vergaben und diese nach dem Akzeptieren der Nutzungsbedingungen (keine Garantie, keine Haftung, kein rechtswidriges Verhalten...) ins Freifunknetz und auch ins Internet kamen. Auf den Access Points wird darauf hingewiesen, dass Freifunk nicht Umsonstfunk bedeutet, dass von jenen, die nehmen, also auch erwartet wird, dass sie etwas zurückgeben. Leider kann man nicht gerade behaupten dass das so funktioniert hat. Die meisten Gäste wollten ins Internet und sich nicht mit Freifunk beschäftigen. Internet über ein Mesh wie Freifunk zu teilen, ist eine tolle Idee und auch eine wichtige Triebkraft zur Verbreitung solcher Netze. Das kann aber nur funktionieren, wenn die Last nicht auf einigen wenigen verbleibt, wie es in Augsburg bis 2008 leider lief. Die Freifunker haben dann zunächst versucht durch eine Drosselung der Geschwindigkeit für Gäste Anreize zum Mitmachen zu schaffen, was nicht wirklich funktioniert hat, um dann im August Internetzugang für Gäste komplett abzustellen. Gäste können (derzeit) nur interne Seiten im Freifunk Augsburg sowie einige ausgewählte Seiten besuchen.

Matthias 'matsto' Stöbener (2008)

ich hab mit eigenen augen/ohren sowohl hinter die kulissen von djursland als auch freifake gesehen, und meiner ansicht nach sind beide projekte an der unermessliche güte einiger weniger BIG-EGOs gescheitert. sowohl in djursland als auch bei bleifunk diente das lokale netz den gross-hirschen nur als trittbrett zum int. konferenz-reise-clan.

Horst Krause (2007)

letzte Änderung am 28.11.2015, 15:08 und 2 Lesezugriffe/Tag